Methodik: So arbeitet der VB_kompass.

Wie funktioniert Controlling?

Wer Controlling im Sinne von Steuerung betreiben will, muss grundsätzlich belastbare Wirkungszusammenhänge zwischen den eigenen Entscheidungen (Input) und den angestrebten Ergebnissen (Output) herstellen. Um das zu erreichen, sind sowohl der Input als auch der Output im Zeitverlauf zu messen und miteinander in Beziehung zu setzen.

Wie Input und Output zusammenhängen, kann unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden:

  • Effektivität: Wirkt der Input überhaupt auf die relevanten Outputvariablen? Vereinfacht gesagt: „Tue ich das Richtige?“
  • Effizienz: Wie wirtschaftlich sind meine Handlungen? Dabei müssen die Kosten des Inputs kleiner sein als die Erträge des Outputs. Vereinfacht gesagt: „Mache ich es richtig?“

Zwei Kennzahlen für die Vereinbarkeit

Der VB_kompass folgt dieser Logik und generiert auf Basis von 11 Variablen, die einmal monatlich einzugeben sind, zwei Kennzahlen: eine zur Effektivität des Vereinbarkeitsmanagements und eine zu seiner Effizienz.

Eingaben: Input

Um zu belastbaren Ergebnissen zu kommen, werden folgende Daten erfasst:

  • Aktivitäten für eine bessere Vereinbarkeit
  • Gesamtkosten für die Vereinbarkeitsmaßnahmen

Input: Aktivitäten für eine bessere Vereinbarkeit

Um das breite Spektrum möglicher Maßnahmen und ihre unterschiedliche Skalierung messen zu können, sind diese zu verdichten. Der VB_kompass folgt dabei den acht Handlungsfeldern des audits berufundfamilie, da diese vielen Personalverantwortlichen bereits bekannt sind. Die Eingabe erfolgt dabei auf einer Skala von 0 bis 100, um statistische Aussagen generieren zu können: „0“ bedeutet, dass ein Unternehmen in einem Handlungsfeld gar nicht aktiv ist, „100“ ist einzugeben, wenn das Unternehmen in einem Handlungsfeld alle denkbaren Maßnahmen anbietet.

Die Daten für die acht Handlungsfelder erfasst der Nutzer nur einmal im Monat. Zur besseren Orientierung zeigt der VB_kompass dabei jeweils die Werte des Vormonats an. Der Mittelwert aus den Eingaben aller acht Handlungsfelder drückt das gesamte Aktivitätsniveau eines Unternehmens aus und bildet folglich den Input des Modells.

Input: Gesamtkosten für die Vereinbarkeitsmaßnahmen

Auf der Inputseite sind außerdem die Kosten der durchgeführten Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit zu erfassen. Hierzu zählen zum einen die direkten Kosten aller Maßnahmen (z. B. Druckkosten einer Informationsbroschüre) sowie zum anderen die vereinbarkeitsbezogenen Personalkosten. Um diese zu ermitteln, sind die im jeweiligen Monat für das Thema Vereinbarkeit aufgewendeten Arbeitsstunden zu erfassen.

Eingaben: Output – Maß der Vereinbarkeit

Auf der Outputseite ist jeden Monat nur eine Variable einzugeben.

Um die Effektivität der Aktivitäten messen zu können, wird auf einer Skala von 0 bis 100 ein Maß für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erfasst. „0“ bedeutet dabei, dass die Beschäftigten Beruf und Familie überhaupt nicht miteinander vereinbaren können. „100“ steht hingegen dafür, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Schwierigkeiten damit haben, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

In der Regel können aus praktischen Gründen nicht jeden Monat alle Beschäftigten nach dem Ausmaß der Vereinbarkeit gefragt werden. Deshalb sollte für die Einschätzung dieser Variablen ein heterogener und überschaubarer Kreis von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach seinem Urteil gefragt werden.

Ergebnisse: r und R

Auf der Grundlage der Input- und Output-Eingaben weist der VB_kompass zwei Kennzahlen aus:

  • r: Diese Zahl drückt die Effektivität des Vereinbarkeitsmanagements aus.
  • R: Diese Zahl zeigt die Effizienz der Maßnahmen.

r: Wie effektiv sind Ihre Maßnahmen?

Der sogenannte Korrelationskoeffizient r zeigt den Zusammenhang zwischen dem Aktivitätsniveau des Vereinbarkeitsmanagements und dem Ausmaß der Vereinbarkeit. Bei der Berechnung berücksichtigt der VB_kompass dabei jeweils alle Monate des gewählten Berichtszeitraums. Außerdem sieht der Nutzer, wie der Indikator sich im Zeitverlauf entwickelt hat: Steigt r, ist das ein Indiz dafür, dass die Wirksamkeit zugenommen hat. Sinkt der Indikator dagegen, deutet das darauf hin, dass die Wirksamkeit abnimmt und also irgendetwas „schief läuft“. In diesem Fall gilt es, mögliche Ursachen der Entwicklung zu analysieren und die Vereinbarkeitsmaßnahmen gegebenenfalls anzupassen.

R: Wie effizient sind Ihre Maßnahmen?

Die Vereinbarkeitsrendite R zeigt, wie effizient das Vereinbarkeitsmanagement ist. Um R zu ermitteln, stellt der VB_kompass die eingegebenen Kosten Ihrer Vereinbarkeitsaktivitäten seinen Erträgen gegenüber. Dabei resultieren die Erträge aus Rückgängen bei Krankenstand und Fluktuationsrate sowie Zuwächsen bei der Produktivität der Beschäftigten, die nachweislich durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie positiv beeinflusst werden.

Um Veränderungen bei Krankenstand und Produktivität in Eurobeträge umzurechnen, geht der VB_kompass von der Bruttowertschöpfung eines Mitarbeiters pro Tag aus. Dabei werden auf Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes branchenspezifische Unterschiede berücksichtigt. Die Transformation einer verminderten Fluktuationsrate in Euro basiert auf einer Reihe empirischer Studien zu den Kosten einer Stellenneubesetzung, in die zum Beispiel Kosten der Mitarbeitersuche, des Einarbeitens eines neuen Mitarbeiters sowie Kosten einer Stellenvakanz einfließen.

Die Schätzung der Vereinbarkeitsrendite ist insgesamt konservativ: Denn eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflusst natürlich nicht nur Krankenstand, Fluktuationsrate und Produktivität der Beschäftigten positiv, sondern auch zahlreiche weitere betriebswirtschaftlich relevante Variablen, wie z. B. das Arbeitgeberimage. Da diese Größen nur sehr schwer in Euro zu bewerten sind, werden sie bei der Renditeberechnung nicht einbezogen. Somit wird die „wirkliche“ Vereinbarkeitsrendite sogar höher ausfallen als im VB_kompass ausgewiesen.